Männer die sich von Kreisen überraschen lassen.

Nachdem ich eine Woche lang nachgedacht habe, vielmehr auf, dass ich die Lösung in der nicht-virtuellen Vorlesungswelt ja schon hatte: kurze, knappe Arbeiten in Kleingruppen auf Basis einer konkreten Problemstellung, die mit den theoretischen Werkzeugen des Marketing gelöst werden sollten. Anstatt den fruchtlosen Versuch einer seminaristischen Vorlesung mit 80 Kreisen durchzuführen, stellte ich den Studierenden ganz konkrete Aufgaben, zum Beispiel:

  • Sehen Sie sich Nesspresso und George Clooney an und analysieren, warum der Schauspieler ein guter Markenbotschafter für die Marke ist.
  • Sehen Sie sich den Stratosphärensprung von Red Bull genauer an und arbeiten die Erfolgsfaktoren für einen Publicity-Stunt heraus.
  • Entwickeln Sie eine Customer Journey mit den entsprechenden Customer Touch Points für das Hotel XYZ.

Die Lösung naht: selbstgesteuerte, freiwillige Arbeitsgruppen.

Ich bat die Studierenden, sich freiwillig in Gruppen zusammen zu finden und gecoached durch mich dieses Problem zu lösen. Eine wesentliche Voraussetzung für mich war, dass dies keine ausufernde Analyse werden sollte, sondern eine kurze, knappe und intensive Anwendung einer überschaubaren Menge an Theorie. Die Studierenden sollten auf keinen Fall die Aufgabe über den Rest der Woche mitnehmen und zu viel Zeit versenken. Eine Woche später dürften die Teams dann der Reihe nach die Ergebnisse präsentieren und ich stellte dem Rest der Mannschaft gezielte Verständnisfragen und ergänzte noch einige Inhalte und Anwendungsbeispiele. Somit gab es ab Mitte des Semesters eine zweigeteilte Vorlesung, im ersten Teil präsentierten 3-5 Teams mit meinen Ergänzungen. Im zweiten Teil arbeiteten die kleinen Gruppen an den Problemstellungen meiner Hilfe.

Technisch war dies gar nicht so schwierig. Ich bestimmte 5 Kleingruppen-Teamräume in Microsoft Teams und schaltete mich immer wieder in die Gruppendiskussionen ein. Und siehe da, ein kleines Wunder geschah. Die Studierenden schalteten ihr Mikrofon und ihre Kameras an unendlich wusste ich, wer hinter welchem Kreis steckte. Es machte richtig Spaß mit den Studierenden zu diskutieren. Kleine Anekdote am Rande: eine Studentin schrieb mir nach der allerersten Runde, dass sie diesmal leider nicht bei den Teamarbeiten mit dabei wäre, ich möge ihr doch bitte einen Platz für den nächsten Montag reservieren. Dies war wieder ein Moment, der mir den Glauben an die Leistungsfähigkeit der Studierenden zurückgab.